Abomey

Abomey, ehemalige Hauptstadt des Königreichs Dahomey, hat heute etwa 85 000 Einwohner, die in vier urbanen und drei ländlichen Stadtbezirken leben. Der Gemeinderat (Conseil Communal) besteht aus 15 Mitgliedern, wovon fast 90% der Partei des Ex-Präsidenten Soglo angehören. Abomey ist Sitz der Präfektur der Departements Zou und Collines. Abomey liegt von der Küste entfernt in nördlicher Richtung.

Die Hauptbevölkerungsgruppe sind die Fon (90%). Ihre Sprache, das Fon, ist die am weitesten verbreitete (einheimische) Sprache in Benin.

Abomey wird als Wiege des Voodoo bezeichnet. Voodoo wird von einer Mehrheit der Bevölkerung praktiziert, verliert aber an Einfluss zu Gunsten des Christentums.

Abomey verfügt über ein gutes Netz an Schulen. Dazu gehören auch weiterführende Schulen und Einrichtungen der beruflichen Bildung. Die Einschulungsquote der Kinder ist mit 86% im Landesvergleich hoch. Auch der Bildungsstand der Mitglieder des Gemeinderates und der Repräsentanten der Zivilgesellschaft ist auffallend hoch.

Die Wirtschaftsleistung ist u.a. wegen geringer Kaufkraft der Bevölkerung schwach. Die Branchen setzen sich wie folgt zusammen: Handel 46%, Handwerk 17%, Landwirtschaft 11%. Der Anteil der Verwaltung an den wirtschaftlichen Aktivitäten beträgt 15%.

Entwicklungsschwerpunkt ist zur Zeit der Tourismus, wobei die Nähe zu Cotonou ein Standortvorteil ist. Der Bau einer Autobahn von Cotonou nach Abomey ist geplant. Alle vier in Benin von der UNESCO als Weltkulturerbe erklärten Sehenswürdigkeiten befinden sich in Abomey oder seinem Umland. Es handelt sich um die Lehmpaläste in Abomey, die Befestigungsanlage der alten Yoruba Stadt Kétou, die Sklavenroute (Abomey-Ouidah), sowie den Kult der Guélédé Masken. Die Stadt Abomey will dies nutzen, um den Tourismus und damit die wirtschaftliche Entwicklung dieser historischen Region voranzubringen.

Der etwa 10 km entfernte ehemalige Vorhof des Königs, Bohicon, hat sich zu einer aufstrebenden, dynamischen Stadt mit 125 000 Einwohnern entwickelt. Wirtschaftliche Schwerpunkte sind der Handel und die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, vor allem der Baumwolle (Entkörnung und Ölpressung).

Königspalast in Abomey
Bild vergrößern

Das System der Paläste in Abomey

Zwölf Könige regierten von 1645 bis 1892 nacheinander in Abomey. Jeder baute an den Palast seines Vorgängers einen weiteren an. Daraus ist im Laufe von 250 Jahren im Zentrum der Stadt ein verzweigtes, zusammenhängendes System von Palästen aus Lehmarchitektur entstanden, das 44 ha umfasst. Erst ca. 14 ha sind restauriert und werden als Museum und für Kulturveranstaltungen genutzt.

Zu Ehren eines jeden Königs (mit zwei Ausnahmen) wurde dessen Palast nach seinem Tode erhalten. Die Ehrung der Vorfahren, das Opfer für die Vorfahren, ist grundlegender Bestandteil der animistischen Kultur (Voodoo) in Benin. In diesem Sinne wird das gesamte Gelände bis heute genutzt, es ist damit auch ein „lebendes Museum“.

Berühmt sind die Lehmpaläste in Abomey auch für ihre Fresken an den Gebäuden. Es handelt sich um dreidimensionale Bilder aus Lehm, die die Geschichte der jeweiligen Zeit erzählen.

Die große Fläche des Palastsystems ist strukturbildend für die Stadt. Um sie herum hat sich die Stadt entwickelt. Mit dem Wiederaufbau des Palastes von HOUEGBADJA wird diese Struktur wieder sichtbar und erlebbar. Mit dem Wiederaufbau soll erstmals auch ein Hof der Frauen restauriert und dort ihre Lebensweise nachvollziehbar illustriert werden.

Zur Geschichte und Bedeutung Houégbadjas

HOUEGBADJA (1645 – 1685) gilt als Gründer des Königreiches Dahomey und der Stadt Abomey. Er entstammt der Dynastie der Regierenden in TADO (im heutigen Togo). In Wanderungswellen ist seine Sippe in Folge von Erbstreitigkeiten über Allada auf das Plateau von Abomey gezogen. Dort hat H. nach wenigen Jahren die Macht an sich ziehen können. Sein erstes Haus, das er Agbomè nannte, ist Namensgeber der späteren Stadt Abomey.

Sein gut organisiertes Regierungssystem bestand, so wird überliefert, aus Ministern und Beamten. Beraten wurde er durch den Rat der Minister und den Rat des Königreiches. Eine reguläre Armee bestand noch nicht; dennoch mussten im Kriegsfall alle wehrfähigen Männer ins Feld ziehen.

Der König „Dan“ der Ureinwohner von Guédévi wurde von Houégbadjas Sohn ermordet. Auf dem Grab des „Dan“ baute HOUEBGADJA sein Reich auf, Dan-xomè.

HOUEGBADJA verfolgte, wie alle späteren Könige von Dahomey, eine Politik der Landnahme. Er dehnte das Königreich bis an die Flüsse Zou im Osten und Kouffo im Westen aus; allerdings noch ohne Kriege, sondern ausschließlich auf Basis von Verhandlungen und Vereinbarungen.