Cotonou, Porto-Novo und Ganvié

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COTONOU

Cotonou ist faktisch die Hauptstadt Benins. Nur noch das Parlament, der oberste Gerichtshof und das Ministerium für Grund- und Sekundärschulbildung befinden sich in der nominellen Hauptstadt Porto-Novo. Der Name bedeutet nach der gängigsten Interpretation soviel wie „Am Rande des Todes“, denn in der Fon-Sprache heißt „Kou“ tot, „To“ Lagune und „Nou“ Rand der Lagune. Wegen der häufigen Todesfälle aufgrund des Klimas und der Krankheiten war dies in früheren Jahren vor allem für die Europäer ein sehr passender Name. Die Stadt verdankt ihre Bedeutung der französischen Kolonialverwaltung, die in diesem Fischerdorf Ende des 19. Jhd's einen Landungssteg baute und damit die wirtschaftliche Entwicklung einleitete. Aber erst nach der Unabhängigkeit Benins 1960, als Cotonou 70.000 Einwohner zählte, setzte der Zuzugsboom ein. Die Stadt wuchs planlos auf heute offiziell 800.000, inoffiziell 1 Million Einwohner mit größten Problemen für Infrastruktur und Lebensqualität. Cotonou ist mit dem Gemisch aus fertigen und halbfertigen Betonbauten, Hütten aus jedem erdenklichen Material, wenig grünen Lungen, regelmäßigen Überschwemmungen ganzer Stadtviertel und einem hektischen Verkehr mit entsprechender Luftverschmutzung ästhetisch wenig reizvoll, dafür aber voll pulsierenden Lebens, sehr bunt, und laut.

Cotonou war und ist in erster Linie eine Wirtschaftsmetropole. Diese Funktion verkörpert der Dantokpa-Markt mitten in der Stadt, der als einer der größten, wenn nicht als größter Markt Westafrikas gilt. Zwar gibt es auf dem Dantokpa praktisch alles zu kaufen, besonders farbenfroh ist aber der riesige Komplex für die in ganz Westafrika beliebten, bunt bedruckten Stoffe und besonders exotisch ist der Teil mit Amuletten und Voodoun-Utensilien.

Neben dem Dantokpa Markt ist es der Hafen, der die Bedeutung Cotonous als regionales Handels- und Transportzentrum verdeutlicht, denn über diesen Hafen läuft auch ein Teil der Versorgung für die Nachbarländer Nigeria, Niger, Burkina-Faso und selbst Mali. Nicht allzu weit vom Hafen im Südwesten der Stadt liegt der Flughafen, der Benin vor allem über Paris mit dem internationalen Flugnetz verbindet (Air France hat de facto ein Monopol für alle nicht Afrika betreffenden Flüge). Direkt an den Flughafen grenzt Cocotiers, das Quartier der Reichen und der Ausländer. In der Hauptstraße von Cocotiers, der Rue Amelco, drängen sich die Restaurants, Kneipen und Andenkenläden. Die Lage der beiden großen „internationalen“ Hotels (Benin Marina und Novotel) am Strand verführt zu Strandspaziergängen, aber gerade in diesem Abschnitt kommt es immer wieder zu Überfällen, so dass von solchen Abenteuern dringend abgeraten wird. Fährt man vom Marina oder Novotel auf dem Strandboulevard nach Osten in Richtung „Altstadt“, die sich an der Lagune um die Kirche „Notre Dame“ gruppiert, geht es an dem von den Franzosen gebauten „Centre International de Conférence“ sowie dem von den Chinesen errichteten, gigantischen „Palais de Congrès“ vorbei. Dieses chinesische Konferenzzentrum ist angeblich dem Stil der „Tata-Somba“-Lehmburgen des Nordens nachempfunden. Von den Chinesen stammt auch ein weiteres Wahrzeichen der Stadt, nämlich das große Stadion Cotonous, wo die Spiele der „Eichhörnchen“ („les Ecureuils“ ist der Name der beninischen Fußballnationalmannschaft) ein begeistertes Publikum finden. Der größte Teil der Stadt besteht aus Zweckbauten wie dem Bürgermeisteramt, in dem Ex-Präsident und Bürgermeister Nicéphore Soglo residiert. Viele Viertel haben nur wenige gepflasterte Straßen und leiden vor allem in der Regenzeit unter fast unpassierbaren Wegen.

Présidence

An dem Strandboulevard, der sich vom Flughafen bis zum Hafen hinzieht, liegt linkerhand der Präsidialpalast (La Présidence), ein Gebäudekomplex im Stil grandioser Plattenbauweise der 60er Jahre. Hier arbeitet der beninische Präsident und empfängt seine Besucher in dem mit chinesischen Möbeln ausgestatteten Audienzraum. Zur Zeit wird die 'Présidence' umgebaut. Ein repräsentativer neuer Komplex ist neben dem alten seit 2003 in Bau und sollte schon 2006 fertig gestellt werden. Dies lässt bislang auf sich warten..

Centre Artisanal

Beim „Centre Artisanal“ in Cotonou handelt es sich um einen Komplex von weitgehend im afrikanischen Rundhüttenstil erbauten Verkaufsstätten einheimischer Künstler und Kunsthandwerker, deren Palette von der Malerei über Holzschnitzkunst bis zu Nachgüssen von Bronzen im Stil der bekannten Benin-Bronzen reicht (das Reich Benin des Mittelalters lag im Südwesten Nigerias und ist nicht mit dem heutigen Staat gleichen Namens zu verwechseln). Handwerkskunst hat in Benin eine lange Tradition und die Künstler und Kunsthandwerker haben bei aller Kommerzialisierung den Sinn für Qualität nicht verloren.

Die Lagune von Cotonou und die dritte Brücke

Cotonou wird durchschnitten von einer breiten Lagune, über die lange Zeit nur zwei dauernd verstopfte Brücken führten. Im Dezember 2004 wurde die dritte Brücke von Bundespräsident Köhler anlässlich dessen Besuchs in Benin eröffnet. Sie ist mit deutscher Finanzierung von der Baufirma Dywidag in drei Jahren unter sehr schwierigen Bedingungen (besonders tiefe Fundamente wegen des Treibsandes) gebaut worden. Das Vorhaben umfasste die Errichtung der vierspurigen Brücke sowie den Ausbau der jeweils 1.300 m langen Straßenabschnitte, die den beidseitigen Anschluss an die Hauptverkehrsstrassen der Stadt gewährleisten. Die Gesamtkosten des Projektes betrugen 37,07 Mio Euro, von denen die deutsche Seite 33,75 Mio finanziert hat.

Sonnenuntergang am Lac Nokoué Bild vergrößern

PORTO-NOVO

Porto-Novo, die offizielle Hauptstadt Benins mit geschätzten 250.000 Einwohnern, liegt 30 km von Cotonou entfernt an der nigerianischen Grenze. Auf dem Weg dorthin geht es durch Industrievororte auf einer teilweise mit deutscher Finanzierung gebauten „Autobahn“ an der größten deutschen Investition, dem Zementwerk CIMBENIN (Eigentümer Heidelberger Zement) vorbei. Porto-Novo selbst liegt geschützt von einer Lagune auf einer leichten Erhöhung, und dieser Aspekt hat ihm den Namen gegeben, denn der Portugiese Eucharisto de Campo fand die Ähnlichkeit mit der portugiesischen Stadt Porto so überzeugend, dass er der in der Landessprache „Hogbonou“ genannten Siedlung die portugiesische Bezeichnung Porto-Novo gab, die sich auf den Seekarten der europäischen Nationen wiederfand und bald den alten Namen verdrängte. „Hogbonou“ bedeutet „Eingang zum großen Wohnsitz“ und geht auf die Legende von der Gründung der Stadt durch den Fon-Prinzen Te-Agbalin zurück (zwischen 1680 und 1690), der, nachdem er und seine Großfamilie aus der Stadt Allada fliehen mussten, in Porto-Novo einen Verwandten um Überlassung eines kleinen Stück Bodens nicht größer als eine Gazellenhaut bat und dann listig diese Gazellenhaut in dünne Streifen schnitt, um ein ansehnliches Gebiet damit zu umzäunen. Porto-Novo hat Tradition und mit seinen Gebäuden aus der Kolonialzeit an schattigen Baumalleen historischen Charme, ist daneben aber auch ein pulsierendes Wirtschaftszentrum, das vor allem vom Zwischenhandel mit Nigeria lebt. Porto-Novo ist neben Cotonou und der großen Handelsstadt Parakou im Norden eine der drei Städte mit einem Sonderstatut, d.h. größerer Autonomie als andere Kommunen, und der Bürgermeister, der in einem schmucklosen Zweckbau residiert, ist sich dieser Würde durchaus bewusst. Seit den ersten Kommunalwahlen 2003 ist die Dezentralisierung trotz mancher Probleme in vollem Gange und die Bürgermeister gewinnen gegenüber den zentralstaatlichen Behörden langsam an Statur. Im Zentrum der Stadt auf der höchsten Erhebung steht der aus der Jahrhundertwende stammende Gouverneurspalast der Franzosen, in dem heute das Parlament untergebracht ist. Neben dem Palast liegt der kleine und unter anderem mit deutscher Hilfe erhaltene botanische Garten, der vor der franz. Kolonisierung dem ersten Minister des Königs gehörte, der sich dorthin zur Kontemplation und zur Anrufung des Orakels bei schwierigen Entscheidungen zurückzog. Weitere interessante Sehenswürdigkeiten der Stadt sind der düstere Königspalast, das ethnografische Museum und das Museum da Silva, der Sitz einer der aus Brasilien zurückgekehrten Familien ehemaliger Sklaven, die in Porto-Novo zu Ansehen und Reichtum gelangten.

Ecole du Patrimoine Africain

Bei dieser 'Schule', die stilvoll in einem renovierten Kolonialgebäude in Porto-Novo untergebracht ist, handelt es sich um ein der Nationalen Universität angegliedertes Institut, das sich um die Aus- und Weiterbildung von afrikanischen Museumsfachleuten für 26 frankophone und lusophone Staaten in Afrika kümmert. Das anglophone Gegenstück befindet sich in Mombasa/Kenia. Das Institut mit internationalem Lehrkörper wurde 1998 gegründet und arbeitet eng mit der in Rom ansässigen UNESCO-Unterkommission ICCROM (International Centre for the Study of the Preservation and Restauration of Cultural Property) sowie der Sorbonne in Paris zusammen, veranstaltet Kurse für Kuratoren, gibt Publikationen sowie einen E-Mail-Newsletter heraus und sucht nicht zuletzt die Kinder Afrikas für ihre eigenen Traditionen zu interessieren.

GANVIE

Die in Reiseführern häufig als „Venedig Westafrikas“ bezeichnete Stadt im Wasser, Ganvié, liegt 18 km von Cotonou entfernt am oder besser im Wasser des Nokoue-Sees. Die Stadt hat etwa 20.000 Einwohner und besteht weitgehend aus Pfahlbauten sowie einigen festen Gebäuden (Schule, Post etc) an erhöhten, nicht überfluteten Stellen. Der Name „Ganvié“ soll der gängigsten Interpretation entsprechend soviel bedeuten wie „Wir sind entkommen“, womit er auf die Gründung der Stadt im 18. Jhd. als Zufluchtsort in den schwer zugänglichen Marschen vor den Sklavenjägern Dahomeys verweist. Wirtschaftgrundlage der Bewohner ist der Lage ihres Ortes entsprechend in erster Linie die Fischzucht in der Lagune, daneben spielt aber der Tourismus eine immer wichtigere Rolle und vor allem der „schwimmende Markt“ Ganviés mit seinen bunten Kanus ist eine beliebte Sehenswürdigkeit.

Neben Ganvié gibt es noch eine Reihe weiterer Pfahlbaudörfer und insgesamt wird die auf dem Wasser lebende Bevölkerung Benins auf 40.000 Menschen geschätzt.

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