Ouidah und Umgebung

Abholung des Fischfangs am Strand Bild vergrößern

Ouidah ist eine Kleinstadt mit rd. 50.000 Einwohnern 26 km westlich von Cotonou an der Hauptverbindungsstraße nach Togo. Die Fahrt von Cotonou geht für einige Zeit durch von Kleinhandwerk und Geschäften jeder Art beherrschte Vororte, die die ganze Buntheit westafrikanischer Straßenszenen vermitteln. Ouidah wurde der Legende nach von König Kpasse von Save (eine Stadt rd. 7 km nördlich von Ouidah) Mitte des 16. Jhds gegründet, um seine Interessen an der Küste zu schützen. Er nannte den Ort Glexwe, was soviel wie „der Bauernhof“ bedeutet und daraus soll sich Ouidah entwickelt haben (eine andere Gründungslegende führt den Namen auf die Phython als Totemtier des Ortes zurück). Das erste europäische Fort errichteten die Franzosen 1671. Ihnen folgten bald die Engländer, Holländer, Dänen und Portugiesen. Hauptinteresse der Europäer war das „Ebenholz“, wie die Sklaven im Sprachgebrauch der Zeit hießen. 1727 wurde das Königreich von Save von Dahomey erobert und dadurch erhielt der Sklavenhandel Ouidahs nochmals großen Auftrieb, denn es waren in erster Linie die rituell jedes Jahr stattfindenden Raubkriege Dahomeys, die für Nachschub sorgten (nach Schätzungen sollen bis zu 3 Millionen Sklaven von Ouidah aus in die Neue Welt verschickt worden sein). Das Verbot des Sklavenhandels durch die Engländer Anfang des 19. Jhds, denen die wichtigsten Nationen Europas in den nächsten Jahren folgten, führte nur allmählich zu einer tatsächlichen Abnahme dieses Handels, denn nicht zuletzt die Rückkehr ehemaliger befreiter Sklaven nach Afrika seit dem Sklavenaufstand in Bahia Ende der 30er Jahre des 19. Jhds, von denen sich eine Reihe in Ouidah niederließen, um nun selbst ihr Glück mit dem „Ebenholz“ zu machen, führte nochmals zu einer Spätblüte des Menschenhandels (ein berühmter Vorläufer dieser sog. „Bresilien“ war Felix de Souza, der es durch seine Freundschaft mit König Guezo von Abomey zum reichsten Sklavenhändler an der Küste Benins brachte, und dem Bruce Chatwin im Buch „Der Vizekönig von Ouidah“, das mit Klaus Kinski unter dem Titel „Cobra Verde“ verfilmt wurde, ein Denkmal gesetzt hat). Von der französischen Kolonisierung bis zu Beginn des ersten Weltkriegs waren der Export von Palmöl und die Salzgewinnung die Haupteinnahmequellen der Handelshäuser in Ouidah, zu denen auch große deutsche Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg gehörten. Nach der Unabhängigkeit Benins und dem unaufhaltsamen Aufstieg Cotonous zur Wirtschaftsmetropole fiel Ouidah mehr und mehr in den Dornröschenschlaf einer Agrarstadt zurück und erst die Suche der Afroamerikaner nach ihren Wurzeln brachte in den letzten Jahren wieder ein bescheidenes touristisches Interesse an der Stadt zurück. Viele der alten und ehemals prächtigen Gebäude sind verfallen, aber man kann es als gutes Omen der Revitalisierung ansehen, dass die Familie des erstmals reichsten Mannes der Küste, die de Souzas, am Ort des alten Familiensitzes ein neues, imposantes Haus hochzieht.

Am Platz vor diesem Haus, dem Platz Chacha (Chacha war der Spitznahme Felixs de Souzas), der mit deutschen Mitteln restauriert wurde, beginnt die 3 km lange “Route des Esclaves“, denn von hier führte die Sklaven ihr Weg zu den vor der Küste wartenden Schiffen am Baum des Vergessens vorbei, den die Männer 9 mal und die Frauen 7 mal umrunden mussten, womit sie symbolisch all ihrer Identität verlustig gingen. Stärker aber als dieser Zauber erwies sich der einheimische Glaube, den die Sklaven mit in die Ferne nahmen und der dort wieder Wurzeln schlug. Die Riten der allgemein heute unter Voodoun zusammengefassten, synchretistischen Glaubenswelt eines Teils der schwarzen Bevölkerung in Amerika und Afrika blieben trotz aller christlichen und muslimischen Bekehrungsbemühungen lebendig (der Begriff 'Voodoo' oder 'Voodoun' bezeichnet die Götter oder unsichtbaren Mächte, deren Gunst die Menschen gewinnen wollen, um ein glückliches Leben führen zu können). In unmittelbarer Nähe zueinander finden sich denn auch in Ouidah, das als Hochburg des Voodoo-Kultes gilt, christliche Basilika und der Tempel der Phyton (die Phyton wird in Ouidah als nützliches Haustier wie Totemtier verehrt).

Weitere bekannte Sehenswürdigkeiten Ouidahs sind der „Heilige Hain“ mit seinen Götterstatuen unter uralten Bäumen und das portugiesische Fort, das heute ein Museum beherbergt. Dies ist die einzige noch erhaltene der ehemaligen ausländischen Faktoreien (Faktoreien hießen die befestigten Plätze der Sklavenhändler), und wurde erst 1961 von den Portugiesen, die das Fort während der französischen Kolonialzeit als Enklave weiternutzten, geräumt. An modernen Gebäuden fällt vor allem das großzügig angelegte „Institut Regional de Santé Public“, das den Bildungs- und Gesundheitsministerien untersteht, ins Auge. Dieses Weiterbildungszentrum wurde vor wenigen Jahren gebaut und verfügt über moderne Konferenzräume. Das IRSP liegt schon auf halbem Weg zur Küste an der „Route des Esclaves“ und von dort sind es noch etwa zwei Kilometer bis zu dem Denkmal an der „Porte de Non Retour“, einem überdimensionalen Torbogen, dessen Seitenflügel mit Metallskulpturen geschmückt sind, die den Leidensweg der Sklaven erzählen. Zehn Minuten von der „Porte de Non Retour“ liegt am Strand das Hoteldorf „Casa del Papa“, die einzige touristische Anlage in Benin auf internationalem Niveau. Dies ist ein beliebter Erholungsort nicht nur für die Reichen des Landes, sondern auch für Gäste aus den angrenzenden Sahelländern.

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Porte de Non-Retour

Die „Porte de Non Retour“ bildet den Abschluss der Sklavenroute, die am Platz Chacha in Ouidah beginnt und sich über drei Kilometer bis zur Küste hinzieht. Dieser Weg ist gesäumt von Statuen des beninischen Bildhauers Tokoudagba sowie verschiedenen Monumenten, darunter dem Platz, wo früher der Baum des Vergessens stand. Diese Sklavenroute wurde ebenso wie andere Monumente Ouidahs anlässlich des ersten afroamerikanischen Festivals 1992/93 wieder zu Leben erweckt und 1995 wurde dann anlässlich des VI Gipfels der Frankophonie die „Porte de Non Retour“ im Beisein des UNO-Generalsekretärs wie des UNESCO-Generalsekretärs eingeweiht. Es handelt sich um einen freistehenden rund dreizehn Meter hohen Torbogen an der Stelle des Strandes, von wo die Sklaven zu den Booten geführt wurden, die den Fährdienst zwischen der Küste und den davor wartenden Sklavenschiffen versahen. Das Tor ist flankiert von Metallskulpturen, die den Weg der Sklaven in stilisierter Form abbilden und bedeckt mit Kacheln, die gefesselte Sklaven zeigen. Auf der dem Meer zugewandten Seite sind Voodoo-Gottheiten zu sehen, die die Seelen der in der Fremde Verstorbenen empfangen.